Der etwas Andere DJ

(ich habe hier ein Interview vom GROOVE-Redakteur Chris Fritsch aufgegabelt ! )

 

Für die einen ist er der Größte, für die anderen schlicht nur das "Darmstädter Echo", das Frankfurter Trends abkupfert.
Wie dem auch sei, eines steht fest : Torsten Fenslau gehört zuzammen mit Sven Väth, Dag und Heinz Felber zu den erfolgreichsten Vertretern des "Sound of Frankfurt", ein Titel, der auch für unser Magazin nicht ganz unwesentlich ist... Und wer Erfolg hat, hat Neider. Torsten Fenslau ist umstritten wie kein Zweiter in der Szene : Vielleicht weil er Kultur für die Gegenkultur macht. Oder weil er den tiefern Sinn der Tanzfläche als Gesamtkunstwerk einzelner Individuen sieht. GROOVE-Redakteur Chris Fritsch bewegte ihn zu einem Statement.

 

 

Wo liegt dein musikalischer Background ?

    Seit vier Jahren produziere ich Jetzt Dancefloor ind seit 1981 arbeite ich als DJ, seit 1988 im Gray. Vorher hatte ich ein Architekturstudium angefangen und irgendwann kam die Entscheidung, endgültig als DJ zu arbeiten.

Siehst Du dich mehr als Musiker und Producent oder mehr als DJ ? Mir scheint, wenn man Stücke wie "T-Raumreise" hört, daß Du mehr für den "Kopf" als für den "Magen" produzierst. Andereseits ist dir Vorwurf, nur kalkulierte Musik am Reißbrett zu entwerfen ja auch bekannt.

    Ich mache bestimmt mehr "kopfmäßige" Musik, als es andere Leute tun. Aber es ist nicht so, daß wir die Musik am Reißbrett entwikeln. Da könnten wir auf "Nummer Sicher" gehen und nur kommerzielle Sachen rausbringen. Die besten Sachen kommen immer aus Bauch und Kopf. Dennoch zeichnet unsere Arbeitsweise eine gewisse Eigenheit aus, die uns von anderen Leute unterscheidet: Nämlich einerseits sehr konzeptionell zu arbeiten und anderseits Dinge wie "Running" oder kopflastige Musik wie LDC zu produzieren. Wir nennen das Pflicht und Kür. Was mir viele Leute vorwerfen, ist, daß ich der "Kommerz-Tschabo" bin. Dazu stehe ich und das bin ich gern! Denn über die kommerzielle Musik, die wir machen, erlange ich wirtschaftliche Freiheit. Für mich bedeutet Kohle die Freiheit, das zu machen was ich will. Da bin ich absolut ein Einzelkämpfer. Außerdem ist es eine viel größere Herausforderung gute Clubstücke zu produzieren: An einem "I Like You" sitz du Monate bis alles richtig stimmt. Aber ich mache trotzdem beides sehr gerne und stehe da vill dahinter. Ich bin nicht der Undergroundtyp, obwohl ich den Underground sehr schätze. Ohne diese grundlage könnte nichts entstehen. Ich versuche mich aich immer mit Leuten aus dem Underground zu arrangieren, denen die hand zu reichen, aber mir wird sie halt sehr oft abgeschlagen. Ich find's schade, weil ich auch immer versucht habe, ein Vertreter des "Frankfurt-Sound" zu sein. Überall wo wir bisher Erfolge hatten und wo ich aufgetreten bin, habe ich immer gesagt : Frankfurt ist die ultimative Dancestadt, obwohl ich ständig eins über den Deckel krieg'. Das finde ich richtig schade. Wo bleibt denn die vielgelobte Frankfurter Community, wenn hier jeder gegen jeden arbeitet? Und langsam fällt es immer schwerer, auch dazu zu stehen. Ich macht halt mein Ding. OK, ich bin kein Sven, ich bin eher er etwas ruhige, stille, was mir vielleicht viele nicht glauben, auch der schüchterne, introvertierte Typ. Das wirkt nach außen oft arrogant.

Wie stehst Du denn zu dem Vorwurf, daß Du dich musikalisch gern woanders bedienst ?

    Ich habe meinen Leben noch nie Ideen geklaut oder Sachen nachgemacht; viel eher wurde ständig beklaut und nachgemacht. Ob das jetzt ein "Erdbeermund" oder "Komtur" ist, "Running" oder andere Sachen, meistens bin ich derjenige, von dem abgekupfert wurde. Klar, ich werde vin vielen Sache, die ich auflege, inspiriert, aber das wird ja schließlich jeder Musiker, der seine Arbeit ernst nimmt.

Siehst Du deine Arbeit mehr als "Kunstobjekt", die, hart formuliert, dem Anspruch der Szene nicht gerecht wird ?

    Nein, eigentlich nicht. Ich mache Entertainment : Ich will die Leute anspruchvoll unterhalten. Ich sehe die Discothek nicht nur als bloße "Tanzfläche", sondern versuche auch mit Jingles oder witzigen Einlagen den Leuten ein gewisses Ereigis zu vermitteln. Anders als jetzt zum Beispiel im Omen, wo fast nur gebrettert wird. Das finde ich auch gut, aber jeder Laden hat halt seine Atmosphäre und ich glaube, daß ich die Leute meiner abwechslungsreichen Musikauswahl genauso gut unterhalten kann, wie ein Underground DJ mit z.B. nur Technosachen. Dadurch unterscheide ich mich ja auch vom Underground. Es ist ja schön, daß es so viele Leute mit unterschiedlichem Geschmack gibt, sonst wäre es ja langweilig.

Also der bessere DJ...?

    Nein, nicht der bessere. Der andere DJ, oder Akademiker-DJ oder wie man dazu auch sagen will. Ich würde schon sagen, daß es etwas mit Kunst zu tun hat. Viele Discjockeys machen Musik nur für sich : Möglichst viele Weißmuster, am besten kennen nur fünf Leute die Platte sie ist erst einen Tag alt. Das ist doch völlig bescheuert. Ich mache Musik für die Leute auf der Tanzfläche und habe auch keine Probleme damit, morgens um drei Uhr SNAP zu spielen.

Reizthema : Dein Statement zu "Immer wenn er Pillen nahm". Was hast Du Dir dabei gedacht ?

    Ich find's schade, wenn gewisse Leute immer nur ihre Große Stunde bekommen, wenn sie Drogen nehmen. Ich habe da ja wohl voll in ein Wespennest gestochen, der Reaktion nach zu urteilen. Das Ding hat mir im Nachhinein geschadet, ist mir klar. Aber ich bin kein Kind von Traurigkeit und demzufolge hat das Ganze ja wohl gesessen!.

Mir ist jetzt schon öfter aufgefallen, daß zwischen Deiner Plattenfirma (ABFAHRT) und LOGIC sehr viele Parallelen bestehen : Zum beispiel "The Dream" und "Where Are You" hatten viele produktionstechnische Gemeinsamkeiten.
Wenn mann nun die beiden Labels miteinander vergleich, stellt man fest, daß LOGIC einen Riesenschritt in Richtung Kommerzialität gemacht haben und technisch viel subtiler geworden sind, während Deine Sachen immer recht ähnlich klingen. Einmal erfolgreich, immer erfolgreich ?

    Will ich nicht sagen. Man hat einfach eine gewisse handschrift. Daraus entwickelt sich dann ein gewisser Stil, während bei anderen kommerzielle Interessen im Vordergrund stehen. Wenn mann aber sieht, wie voll das Gray ist und wie erfolgreich meine Clubnight, so muß ich schon sagen, daß ich irgendwo nicht ganz falsch liege mit meinem Stil.
    Zum Thema Clubnight : Ich könnte mir z.B. gut eine vierstündige Klangreise mit viel Elektronik un Trancesachen vorstellen, die ein wenig über das hinaus geht, was derzeit so läuft. Im Radio fehlt die Clubatmosphäre, und die muß ich irgendwie übergehen, dais ich ja im Studio anders auflege, als im Gray. Aber Du hast schon recht : Da stecken mehr Möglichkeiten drin, als ich derzeit rausholen kann. Aber es macht Riesenspaß und ich stehe voll dahinter!!.

Bist Du mehr der Radio DJ, oder doch eher Club-DJ ?

    Ich bevorzuge immer, wenn Leute da sind, wenn es richtig laut ist und wenn das Feedback stimmt. Das Gray ist das Größte, das ist eine Wahnsinns-atmosphäre. Musik macht Spaß und bedeutet sehr viel für mich. Mögen tun mich wohl nicht so viele, da muß ich mit der Qualität als DJ überzeugen. Ich geh meinen Weg und laß' mich nicht beirren...


Chris Fritsch


 

 

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